Selbstkontakt ist ein Wort, das oft benutzt wird.
Und gleichzeitig ein Zustand, den viele Menschen kaum kennen.
Denn Selbstkontakt bedeutet nicht, ständig zu wissen, wie es einem geht.
Er bedeutet auch nicht, sich permanent zu beobachten, zu analysieren oder zu reflektieren.
Selbstkontakt ist kein Tool – er ist Beziehung.
Eine Beziehung zu dir selbst, die nur dann entstehen kann, wenn dein Nervensystem sich sicher fühlt.
Selbstkontakt ist nicht Selbstbeobachtung
Viele Menschen glauben, sie seien im Kontakt mit sich selbst, weil sie ihre Gedanken gut kennen oder ihre Gefühle benennen können.
Doch aus neurosystemischer Sicht ist das noch kein Selbstkontakt.
Selbstbeobachtung und Selbstreflexion können wertvolle Werkzeuge sein.
Aber Selbstkontakt ist etwas anderes:
die Fähigkeit, bei sich zu bleiben, während im Inneren etwas auftaucht.
Ein Gefühl.
Eine Spannung.
Ein Impuls.
Oder auch ein unangenehmer Zustand.
Ohne sofort etwas damit tun zu müssen.
Warum Sicherheit und Selbstkontakt zusammengehören
Ohne Sicherheit wird Selbstkontakt schwierig.
Denn wenn das Nervensystem im Alarm ist, geht es nicht ums Spüren –
sondern ums Überleben.
Dann rutscht das System in Schutzmodi:
-
scannen
-
kontrollieren
-
funktionieren
-
reagieren
Nicht, weil etwas „falsch“ ist, sondern weil das Nervensystem gelernt hat, dass Nähe zu sich selbst nicht sicher war.
Viele Menschen mussten früh lernen, sich von ihren eigenen Gefühlen, Bedürfnissen oder Impulsen zu entfernen, um in Beziehung bleiben zu können.
Abstand zu sich selbst wurde zu einer Form von Sicherheit.
Diese antrainierte Sicherheit ist jedoch keine echte Sicherheit –
sie kostet Kraft.
Die Lücke zwischen Innen und Außen
Je größer die Lücke ist zwischen dem, was wir nach außen leben,
und dem, was wir innen spüren,
desto anstrengender wird das Leben.
Diese Lücke muss permanent kompensiert werden:
durch Disziplin, Anpassung, Leistung oder Kontrolle.
Erst wenn diese Lücke kleiner wird,
entsteht wieder Energie, Klarheit und Präsenz.
Selbstkontakt bedeutet nicht, nur noch reguliert zu sein.
Er bedeutet, bei sich bleiben zu können, auch wenn etwas in Bewegung ist.
Selbstkontakt macht Verkörperung möglich
Verkörperung heißt nicht, ständig etwas zu fühlen.
Verkörperung heißt, mit dem Körper in Beziehung zu sein.
Erst wenn Selbstkontakt da ist, kann das Nervensystem lernen:
Ich darf hier bleiben.
Ich darf fühlen.
Ich bin nicht allein mit mir.
Ohne Selbstkontakt bleibt Regulation eine Technik.
Mit Selbstkontakt wird sie lebendig.
Wie sich Selbstkontakt im Alltag zeigt
Selbstkontakt ist selten spektakulär.
Er zeigt sich leise und fein:
-
du merkst früher, wenn etwas kippt
-
du reagierst weniger automatisch
-
du brauchst weniger Rechtfertigungen
-
du bleibst länger bei dir
-
du spürst stimmig oder unstimmig – und weißt, was zu tun ist
Selbstkontakt kommt nicht durch Druck zurück.
Er kommt zurück, wenn dein Nervensystem Sicherheit erfährt.
Die Podcastfolge zum Thema Selbstkontakt
In der aktuellen Folge meines Podcasts „feinSEIN mit dir“ spreche ich ausführlich darüber,
-
was Selbstkontakt wirklich ist
-
warum er ohne Sicherheit kaum möglich ist
-
wie Trauma und frühe Prägungen den Kontakt zu uns selbst beeinflussen
-
warum viele Menschen sich selbst verloren glauben, obwohl sie sich nur schützen
-
und wie Selbstkontakt zurückkehren kann, wenn das Nervensystem Orientierung findet
Fazit
Selbstkontakt ist nichts, was du herstellen musst.
Er entsteht, wenn du aufhörst, dich zu zwingen –
und beginnst, Sicherheit in dir zu ermöglichen.
Vielleicht ist Selbstkontakt kein Ziel.
Sondern das, was wieder auftaucht,
wenn dein Nervensystem nicht mehr im Alarm ist.


